Über mich

Der Anfang war tatsächlich wenig spektakulär. 

 

Im Jahr 2023 besuchte ich einen Wollfärbekurs (Wolle färben mit Naturfarben).

 

Zum Glück brachte die Kursleiterin mehrere naturweiße, ungefärbte Wollstränge mit, denn ich hatte ihr im Vorfeld schon mitgeteilt, dass ich keine eigenen Produkte habe, die ich färben könne. 

 

Als weitere Kursteilnehmerinnen waren natürlich auch einige Spinnerinnen aus der Gegend dabei, die sich kannten. Natürlich kommt man bei solch einer Gelegenheit miteinander schnell ins Gespräch. Ich erkundigte mich nach den kuscheligen kardierten Wollvliesen und auch nach den Wollsträngen, die sie zum Färben mitgebracht hatten und ließ mir einiges erklären. 

 

Eine der Spinnerinnen bot mir im Laufe des Kurses an, mir das Spinnen beizubringen. Erst wiegelte ich ab und sagte, dass ich es lernen wolle, wenn ich in Rente ginge. Worauf sie fragte, warum willst du noch so lange warten. 

 

Ich überlegte kurz und sagte dann „ja, du hast Recht; wann hast du Zeit, mir das Spinnen zu zeigen?“

 

Und eine Woche später hatte ich den ersten, wenn auch sehr knubbeligen Faden gesponnen.

 

Spinnen

Wolle


Wollbearbeitung

Naja, man fängt an, sich in der Gegend, in der man wohnt, umzuschauen, ob es Schäfer gibt, die ihre Wolle günstig verkaufen. Ich fand tatsächlich einen und erwarb einen viel zu großen Sack voll Zwartbles-Wolle (dunkelbraun fast schwarz). Herrlich! Ich war sofort verliebt in das Produkt „Rohwolle“. So, und wie sortiert man das nun? Woher weiß ich, was benutzbar ist und was nicht? Zum Glück gibt es einschlägige Literatur und sehr anschauliche Videos im Internet. Beim Sortieren meiner Wolle vergaß ich die Welt um mich herum und dachte mindestens 200 Mal „Ach, wie schön ist das denn?“ 

 

Das nächste große Rätsel war die Wollwäsche. Eine der oben genannten Spinnerinnen ließ die Rohwolle einen ganzen Tag im Wollwaschmittel liegen. Nein, das dauerte mir zu lange und roch zu stark nach Waschpulver. Nach ein wenig Herumsuchen im Internet fanden sich interessante Informationen zu verschiedenen Wollwaschmöglichkeiten.

 

Pottasche war mein Mittel der Wahl. 

 

Nachdem die Fasern gewaschen und getrocknet waren … ja, und nun? Kardieren, ja, aber wo. Ich schaute natürlich wieder im Internet und fand einige Kardereien und freute mich schon. Und wurde schon schnell beim ersten Anruf auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die erste Aussage war, dass keine Aufträge im Moment mehr angenommen würden, der nächste Anruf ergab eine Wartezeit von 8 Monaten. Daraufhin erkundigte ich mich bei der Dame, die mir das Spinnen beigebracht hatte. Sie gab mir eine Adresse. Dort rief ich an und erfuhr, dass ich ca. 2 Monate warten müsse, bis ich die Fasern im kardierten Zustand zurückerhalte. 

 

2 – 12 Monate warten? Aber ich will doch spinnen! Also habe ich mir erstmal ein kleines Handkardiergerät besorgt. Dabei merkte ich allerdings schnell, dass man damit zwar kardieren kann, aber eben keine großen Mengen. Also habe ich mir eine gewisse Menge kardiert und den viel größeren Rest weggeschickt und mit viel Ungeduld auf die Rücksendung gewartet. Das Ergebnis war wunderbar und …

 

… der Gedanke geboren!

 

Aber ab hier war der Gedanke geboren „was wäre, wenn ich selbst eine Karderei eröffnete?“

 

Der Bedarf schien ja da zu sein. 

 

Mit meinem Lebenspartner habe ich ca. 20 Mal darüber gesprochen, mit Freunden ebenfalls. Die einen waren begeistert und machten mir Mut, die anderen rieten mir ab. 

 

Letzten Endes soll man auf das hören, was einem der eigene Bauch rät. 

 

Im Internet habe ich rauf und runter nach Ideen und Kardiergeräten usw. gesucht. Zu teuer! Man -also ich- will ja nicht eine 1-Personen-Firma mit einem riesigen Kredit beginnen. 

 

Was ist, wenn ich scheitere? Das Scheitern an sich ist ja nicht so dramatisch, aber über viele weitere Jahre einen Kredit zurück zu bezahlen, ist eine andere Sache. 

Nein, so etwas kommt für mich nicht in Frage. 

 

Irgendwann im Sommer 2024 fiel mir ein, dass im Wohnort meines damaligen Arbeitgebers eine noch aktive Spinnerei ist. Woraufhin ich meinen Chef bat, der dort hin und wieder zu tun hatte, doch mal nachzufragen, ob dort im Keller vielleicht noch eine Krempelmaschine ungenutzt „herumsteht“. Treffer! Besichtigt! Zum 21. Mal darüber nachgedacht! Gekauft! Yeah!


Maschine kommt

Kurz vor Weihnachten 2024 konnten wir die Maschine abholen, deren Walzen von der Spinnerei noch „runderneuert“ worden waren. Bis auf wenige Ausnahmen haben fast alle Walzen eine neue Benadelung erhalten. 

 

Den Raum, in dem sie stehen soll, hatten wir provisorisch hergerichtet. Mein Lebenspartner kennt sich zum Glück mit Maschinen aus, so dass er das gute Stück reparieren könnte, wenn etwas nicht in Ordnung wäre.

 

Ab Januar habe ich dann begonnen „zu üben“. Ich hatte zum Glück noch eigene vorbereitete Wolle, die ich nicht mehr zum Kardieren weggeschickt hatte, als die Idee der eigenen Karderei Gestalt annahm. Ich fragte im Spinnkreis, ob jemand etwas kardiert haben möchte, damit ich üben könne. Da kam einiges zusammen, so dass ich meine Krempelmaschine doch schon ganz gut kennenlernen konnte.